Arbeitsgruppe Photogamut
Produktionssicherheit beim Digital Imaging

 

RGB-Arbeitsfarbraum für Fotografen, Fachlabore und Digitaldruckdienstleister
RGB-Daten liegen in den verschiedensten Farbräumen vor. Dies sind – um nur einige Beispiele zu nennen - sRGB als angestammter Farbraum der meisten Consumer-Kameras und vieler Standard-Druckertreiber, ECI-RGB oder AdobeRGB als Farbraum für High-End Retuschen und Composings sowie Farbräume digitaler Fotobelichter.

Wozu braucht man nun einen Arbeitsfarbraum, und welcher ist der „richtige“? Die Antwort auf diese Frage ist nicht so leicht, wie es zunächst scheint.

  • Der „akademisch sauberste“ Workflow: man belässt eine Datei in ihrem Quellfarbraum und konvertiert sie erst unmittelbar vor der Ausgabe in den jeweiligen Zielfarbraum. Ein Vorteil dieser Arbeitsweise ist sicherlich die Vermeidung unnötiger Zwischenkonvertierungen mit eventuellem Informationsverlust.
  • Sollen mehrere Bildkomponenten in einer Datei integriert werden, so wird man sich zwangsläufig auf einen gemeinsamen Farbraum einigen müssen.
  • Die Farbräume professioneller Scanner und Digitalkameras weisen häufig eine wenig lineare Grauachse auf. Spätestens dann, wenn das Originalmaterial hinsichtlich Helligkeit und Gradation bearbeitet werden muss, ist dies eine „Gefahrenquelle“. Abhilfe schafft die vorherige Konvertierung in einen Farbraum mit unkritischer Graubalance.
  • Bei der Vorbereitung von Bildmaterial für Bilddatenbanken empfiehlt sich ein einheitlicher Farbraum für alle Motive schon aus Gründen der Übersichtlichkeit.
  • Ein Arbeitsfarbraum, der auf reale Drucksysteme ausgelegt ist, ergibt weniger Überraschungen bei der Ausgabe hochgesättigter Farben, da bereits am Monitor die Darstellung ‚drucktypischer’ ist.
  • Nicht immer ist es gewünscht, dass der Empfänger einer Bilddatei anhand des „angehängten“ Farbraums Rückschlüsse auf die Datenherkunft ziehen kann. („MüllerLab_Flextight_Dia“…)
  • Ein einheitlich eingesetzter und genutzter Farbraum, erhöht letztendlich die Produktionssicherheit auf Seiten des Fotografen und des Druckdienstleiters, da Fehlerquellen durch Konvertierungen minimiert werden.

Anforderungen an einen geeigneten Arbeitsfarbraum
Denkt man darüber nach, welche Eigenschaften ein idealer Arbeitsfarbraum für die Digitalfotografie aufweisen müsste, kommt man zu folgendem Ergebnis:

  • Harmonische Grauachse von reinem Weiß zu reinem Schwarz.
  • Form und Größe des Farbraums beinhaltet alle fotografischen Ausgabeverfahren.
  • Farbraum enthält keine überflüssigen, nicht darstellbaren Farben.
  • Optimale Übereinstimmung von Monitoreindruck und Wiedergabe im bestmöglichen Print.
  • Möglichst gute Qualität bei der ungematchten Ausgabe (ohne Colormanagement) auf Fotobelichtern und über Standard-Druckertreiber.
  • Eine Einbindung in ICC-Colormanagement-Workflows für höchste Qualitätsansprüche.

Bei derzeit „etablierten“ Arbeitsfarbräume wie sRGB, ECI-RGB, Adobe RGB, ColorMatch RGB usw. handelt es sich um so genannte Matrix-TRC-Farbräume; diese haben unbestritten den Vorteil einer perfekten Graubalance und einer sehr kleinen Dateigröße.
Da es sich bei diesen Profilen aber ausnahmslos um Farbraum-Repräsentierungen von theoretischen Monitoren (also Selbstleuchtern) handelt, weisen diese besonders im Bereich der helleren Bildtöne große, nicht druckbare Bereiche auf. Diese Tatsache führte uns zu dem Plan, einen Farbraum zu entwickeln, der in Form und Aufbau real existierenden Belichter- bzw. Printer- Farbräumen ähnelt.
Dabei war uns wichtig, dass keinerlei Informationsverluste durch Ausrichtung auf ein spezielles Wiedergabeverfahren bzw. eine spezielle Klasse von Ausgabemedien entstehen sollten.
Der zu schaffende Farbraum sollte alle derzeit realisierbaren fotografischen und drucktechnischen Ausgabeverfahren verlustfrei abdecken.
Das zur Erzeugung eines solchen Farbraums angewandte Verfahren funktioniert prinzipiell folgendermaßen:

  • Anhand gemittelter Messdaten zahlreicher, repräsentativer RGB-Ausgabeverfahren (Fotopapier-Belichter, Tintenstrahldrucker, thermische Verfahren etc.) wird ein geglättetes Durchschnittsprofil berechnet.
  • Auf der Basis dieses Profils wird ein RGB-Testchart in Lab-Daten konvertiert.
  • Die so generierten Lab-Daten werden gezielt so skaliert, so dass sie alle relevanten RGB-Ausgabefarbräume sowie den Offsetfarbraum abdecken.
  • Die Grauachse wird hinsichtlich Kontrast und Graubalance angepasst; Zielgamma ist 2,2.
  • Farbtöne niedriger bis mittlerer Sättigung werden leicht desaturiert, um eine visuell ansprechende Ausgabequalität auch ohne Colormanagement zu erzielen.
  • Mit den resultierenden Lab-Werten wird ein RGB-Profil berechnet und mit geeigneten Tools ohne signifikante Qualitätseinbussen auf eine Größe von 189 kBytes komprimiert.
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